Wie Hunde ihre Temperatur regulieren

Hunde kühlen sich am effektivsten durch Hecheln. Dies ist ihre wichtigste Interventionsmethode gegen Überhitzung. Beim Hecheln verdunstet Feuchtigkeit über Zunge, Schnauze und Atemwege. Da sie unter ihrem Fell kaum schwitzen können, ist diese Verdunstungskühlung für sie unverzichtbar. Verdunstung ist jedoch nur möglich, wenn die Luft nicht bereits mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Deshalb ist es wichtig, bei den aktuellen Außentemperaturen die Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen im Auge zu behalten. Bei geschlossenen Türen und Fenstern steigt diese allein durch die Ausatmung von Mensch und Tier kontinuierlich an. Besonders schnell sättigt sich die Luft mit Feuchtigkeit in kleinen Räumen, weshalb das Auto immer wieder zur Todesfalle für Hunde wird. Bereits ab 60% relativer Luftfeuchtigkeit nimmt die Verdunstungskühlung durch Hecheln ab. Bei Luftfeuchtigkeit von 75% und mehr ist die Verdunstungskühlung durch Hecheln erheblich eingeschränkt.
Für uns Menschen werden Hitzewarnungen auf Grundlage der „gefühlten Temperatur“ ausgesprochen. Die gefühlte Temperatur berücksichtigt neben der gemessenen Temperatur insbesondere auch die Luftfeuchtigkeit. Für Hunde gibt es leider kein Berechnungsmodell der „gefühlten Temperatur“, aber dass wir für uns Menschen extra diese Kategorie eingeführt haben, zeigt auf, wie wichtig das Thema ist. Regelmäßiges Stoßlüften ist also gerade bei Hitzewellen essentiell für unsere Haustiere. Außerdem unterstützen eine gute Hautdurchblutung sowie Verhaltensweisen, wie das Aufsuchen von schattigen, kühlen Plätzen, und wenig Bewegung die Abkühlung.
Bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit oder intensiver Anstrengung kann die Körpertemperatur des Hundes auf über 40°C steigen. Wird die Interventionsmethode des Hechelns durch gesättigte Luft massiv eingeschränkt, drohen ab 40,6 – 41°C Hyperthermie und Hitzschlag.
Neben empfehlenswerten Hilfsmitteln wie Kühldecken oder Raumluftentfeuchter sollte man darauf achten, den Eintrag von Luftfeuchtigkeit in den Wohnraum zu reduzieren.
- keine Wäsche im Wohnraum trocknen
- die Badezimmertür beim und nach dem Duschen geschlossen halten
- die Spülmaschine erst ausräumen (öffnen), wenn der Spühlmaschienen-Innenraum komplett abgekühlt ist
- Wasser und Speisen nur mit geschlossenem Deckel kochen
- Putzen und Feucht Wischen auf Tages- bzw. Nachtzeiten verlegen, die ein intensives Durchlüften ermöglichen
Wann sollte man wie lüften?
Bei Hitzewellen, also mehrere Tage hintereinander mit sehr starker Hitze, wärmt sich der Wohnraum von Tag zu Tag weiter auf. Es lohnt sich, früh den Wecker zu stellen und vor Sonnenaufgang Fenster und Türen weit zu öffnen, damit der Wohnraum auskühlen kann. Doch sollte man nicht die Schotten dicht machen, sobald die ersten Sonnenstrahlen die Außentemperatur wieder steigen lassen. Die Nachtluft hat häufig eine relative Luftfeuchtigkeit von deutlich mehr als 75%! Was am frühen Vormittag, während die Wohnung noch schön kühl ist, kein Problem ist, wird spätestens ab den Mittagsstunden zum massiven Problem für unsere Hunde. Wir starten den Tag mit 75% relativer Luftfeuchtigkeit, die durch das Atmen kontinuierlich ansteigt. Wenn der Wohnraum sich wieder durch die Außenhitze aufgeheizt hat, ist die Luftfeuchtigkeit bereits auf einem Niveau, dass unseren Hunden die Verdunstungskühlung durch Hecheln unmöglich macht.
Startet mit weniger Luftfeuchtigkeit in den Tag und lasst die Türen und Fenster etwas länger offen. Sobald die Sonne scheint, sinkt draußen die relative Luftfeuchtigkeit minütlich. Häufig sind auch bei Hitzewellen die Außentemperaturen bis in den frühen Vormittag hinein noch angenehm. Regelmäßiges Stoßlüften ist Pflicht. Feuchte Luft muss raus und trockene rein. Am besten hat man ein digitales Hygrometer zu Hause und lüftet spätestens, wenn eine relative Luftfeuchtigkeit von 60% erreicht ist. Viele analoge Hygrometer werden mit der Zeit sehr ungenau und sind dann unbrauchbar. Ich habe schon Abweichungen von 25% und mehr gesehen.
Wer ist tierischer „Risikopatient”?
Körperbau, Fell, Schnauzenlänge und Pfotenbreite bestimmen, wie gut Hunde Wärme abgeben können. Große Hunde erzeugen zwar mehr Wärme, kühlen aber effizienter über den Kopf. Kurze Schnauzen und dichtes Fell erschweren die Abkühlung.
Übergewicht und fehlendes Training erhöhen das Risiko für Hitzestress. Trainierte Hunde können aufgrund einer besseren Hautdurchblutung ihre Temperatur besser regulieren.
Gassizeiten die über 5 Minuten hinausgehen sind bei Hitzewellen von 23:00 nachts bis 11:00 Uhr morgens.
Kommt gut durch den Sommer ;)
Oliver von PHYS!ODOGS